5. USA damals. USA heute. Der Herzschmerz.


Nochmal eine kurze Zusammenfassung wie Nico und ich zueinander fanden. Wir hatten uns im Januar 2014 online kennengelernt. Nach unserem zweiten Date war das Eis gebrochen, wir waren unzertrennlich. Sechs Wochen später sind wir Mitte März 2014 fest zusammen kommen und kurz darauf, gab es die freudige Botschaft von Nico, dass er ab dem 01.05.2014 einen lokalen und unbefristeten Vertrag in New Boston hat. Wo zur Hölle ist das nur? Na gut, so lief es dann. Über zwei Jahre Fernbeziehung. Ein ständiges Wiedersehen und Verabschieden. Viele Tränen und Herzschmerz. Stewardessen die mich fragten, ob alles okay sei, wenn ich auf den Rückflügen acht Stunden lang durchgeheult hatte. Ständiges Skypen, dass einem schlecht wurde wenn man schon den Skype Anrufton hörte. Denn man wollte am liebsten durch den PC greifen und die Person, die gerade über 6000km mit einer Zeitverschiebung von sechs Stunden entfernt wohnt, einfach nur zu sich durch den Bildschirm in die Arme ziehen und keine vier Monate bis zum nächsten Wiedersehen warten.


Aber jetzt kann ich rückblickend berichten: wir haben es gemeistert und wie ich finde sogar sehr gut. Sechs Monate davon konnte ich mich von meinem Arbeitgeber aus freistellen lassen und lebte von Juli 2015 – Dezember 2015 mit Nico bereits in Michigan. Wir hatten eine kleine schnuckelige Wohnung in einer Gated Community. Diese Siedlungen in denen alle Häuser identisch aussehen. Die Wohnung hatte ich nach meiner Ankunft erstmal „gepimpt“ und für uns beide als tolles Liebesnest und erste gemeinsamen Wohnung hergerichtet. Damit war ich schon die ersten Wochen gut beschäftigt. Dann hatten wir noch den tollen Gemeinschaftspool, an dem ich meine Nachmittage mit einem Buch und Sonnenöl verbrachte. Ich war täglich in Malls, auf Garage Sales, in Spas unterwegs. Habe mir tolle Pläne für das Abendessen überlegt und manchmal mehrmals täglich bei Walmart, Cosco oder in meinem kleinen italienischen Lieblingssupermarkt eingekauft. Meine Kochkünste haben auf alle Fälle von den USA profitiert. Eine Freundin aus Deutschland kam zu Besuch und wir hatten uns den Traum vom Mädels-Roadtrip nach New York verwirklicht und auch noch einen Stop bei den Niagara Fällen eingelegt. Nicos Familie war zu Besuch und wir hatten die Nordküste der USA unsicher gemacht von Washington, über Philiadelphia bis nach Atlantic City.


Aber eines hatte ich dort auch noch. Das war Katrin. Katrin und ich lernten uns beim Deutschen Stammtisch kennen. Den Stammtisch fand ich direkt bei meiner Google Recherche, um zu Beginn meiner 6-Monate USA herauszufinden, wie ich schnellstmöglich neue Kontakte knüpfen konnte.

Ich brauche Kontakte, Leute um mich herum, ein Sicherheitsnetz, einen Rückhalt, tolle Gespräche und jemandem dem ich Vertrauen konnte. Und da saß ich, im Juli 2015. Gerade mal zwei Wochen in den USA angekommen bei dem ersten Treffen des Deutschen Stammtischs. Und ich fand es ernüchtert. Viele waren deutlich älter als ich. Sie kannten sich alle untereinander und lebten zum Teil schon mehrere Jahre da. Naja trotzdem tauschte man in paar Kontaktdaten und siehe da.


Eine Woche später fand ich eine Mail von Katrin im Postfach. Ich sprang vor Freude quietschend durch unser Apartment und trötete fröhlich zu Nico, dass ich heute ein Treffen habe. Und zwar hatte mir Katrin angeboten, gemeinsam mit ihren drei Kindern in ein Freibad zu gehen, in dem sie für den Sommer über eine Mitgliedschaft abgeschlossen haben. Und ja! Ich liebe Wasser und neue Leute. Und so entstand eine innige Freundschaft mit Katrin, die zu dem Zeitpunkt in den end Vierzigern steckte, aber das hatte mich überhaupt nicht gestört. Wir sind beide absolute Quasselstrippen und wir haben am gleichen Tag Geburtstag, das sind wohl mal Gemeinsamkeiten genug. Und die täglichen Unternehmungen waren immer ein absoluter Spaß. Ich wurde sogar nach deren Rückkehr die Firmpatin von Luise, ihrer ältesten Tochter.


Aber Katrin lebt leider nicht mehr in Michigan, sondern wieder in Frankfurt. Ich fange also wieder bei Null an. Und zu meinem sicheren Hafen, der dort wegfällt und gerade mein größtes Angstthema in meinem Kopf ist, kommt Ella. Sie hat eine neue Umgebung, sie hat eine andere Sprache, sie hat eine Zeitverschiebung zu verkraften, keine bekannten Spielekameraden mehr und vor allem, sie hat weder Oma, noch Opa, noch ihre geliebten Tanten und Onkels. Als das erste Angebot zum Thema USA auf dem Tisch lag und noch niemand außer uns von dem Plan wusste, haben wir Ella am Sonntag zu Oma und Opa gebracht. Wir hatten einfach mal Ruhe nötig. Ruhe um unsere Gedanken zu sortieren und uns mal ohne Kind ausführlich über das Thema zu unterhalten.


Aber als wir drei bei Oma und Opa ankamen, hatte ich direkt einen dicken Klos im Halt. Meine Schwester und mein Papa kamen direkt nach draußen in den Hof gestürmt und nahmen Ella in Empfang. Ella quietsche vor Freude und konnte die anstehende Bespaßung wieder kaum erwarten: der Spielplatz direkt neben dem Haus meiner Eltern, die tollen und anderen Spielsachen die Oma wöchentlich neu aus dem Dachboden hervor zaubert und mit denen ich als Kind schon gespielt hatte. Ich konnte mir es keine Sekunde länger anschauen. Das freudige Bild wie sehr Ella meine Familie liebt und sie zurück geliebt wird. Also musste ich weg und zwar ganz schnell.


Zum Glück hatte ich ein paar Klamotten von Ella dabei, die ich sowieso auf den Dachboden räumen wollte. Also verzog ich mich nach oben und weinte. Mir kullerten die Tränen förmlich aus den Augen. Und meine Gedanken rasten. Wie soll es künftig nur in den USA sein. Ich habe kein Back-up mehr. Was ist wenn ich mal krank werde und mich nicht kümmern kann? Wie wird sich die Beziehung zwischen Ella und meiner Familie verändern? Distanziert man sich oder wächst man aufgrund der wenigen, aber intensiven Treffen noch enger zusammen.


Ich habe mal im Kopf gerechnet, wenn wir zurückkommen ist Ella 4,5. Und da kommt gleich der nächste Gedanke. Was ist mit einem zweiten Kind. Das steht für uns auf alle Fälle fest, ist für mich aber gefühlsmäßig derzeit so weit entfernt wir der Mond von der Sonne. Ich plane schon im Kopf wie oft und wann ich hier Urlaub machen werde. Wann uns wer von unserer Familie besuche kommen könnte, sodass man sich alle zwei bis drei Monate für ein paar Wochen wiedersieht. Fest steht, dass es ein großes Haus mit Gästezimmer werden muss, damit jederzeit Besuch empfangen werden kann. Und ich habe schon genügend Wünsche ans Universum geschickt, dass sich alles zum guten wenden wird und all meine Bedanken überflüssig sind.


Aber jetzt heißt es erstmal abwarten. Meine Gefühle fahren aktuell Achterbahn. Von purer Vorfreude zum absoluten Horrorszenario. Und meistens spüre ich nichts, weil ich dabei bin die endlos langen To-Do-Listen täglich abzuarbeiten, die aktuell noch vor uns liegen. Aber dann kommen Momente, da kann ich es kaum erwarten die Koffer zu schließen und endlich im Auto zum Flughafen zu sitzen und mich in dieses einmalige Abenteuer für die nächsten drei Jahre mit meiner kleinen Familie zu stürzen. Seid gespannt wie die Reise weiter geht…


XoXo. Isa.






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