3. Yes to the US. Auf ins neue Abenteuer.


Es ist 5:45 Uhr, ich schleiche mich aus dem Schlafzimmer und schaue aus den großen Fenstern unseres geliebten Loft. Ein dichter Nebelschleier bedeckt Bamberg. Es ist stockdunkel. Es regnet. Ich liege seit 3:39 Uhr wach und seitdem rattert es auf und ab in meinem Gehirn: Auswandern in die USA. Richtig? Falsch? Richtig? Falsch? Seit gerade mal einer Woche ist das Thema auf dem Tisch. Eine Woche später lag der Vertrag vor. Und jetzt? Jetzt haben wir genau drei Tage, um über das Wochenende zu entscheiden, ob wir es nun durchziehen oder nicht. WTF? Nach nicht mal 1,5 Wochen? Ich bin überfordert. Und als Topping gab es noch die Info der Firma meines Mannes, das es der schnellste Auswanderungsvertrag in der ganzen Firmengeschichte wäre. Na toll, da haben wir ja das große Los gezogen.


Ich brauche nämlich immer Zeit. Zeit um meine Pro und Kontra Listen zu erstellen. Zeit um meine endlos langen ToDo Liste weiter zu pflegen, die ich direkt in der ersten Nacht geschrieben habe, als mein Mann mit der frohen Botschaft nach Hause kam. Zeit um das Thema mit ca. 100 Personen durchzusprechen. Zeit um alle Beiträge in der „Tschüss Deutschland – Hallo Michigan“ Facebook Gruppe zu lesen, in die ich direkt eingetreten bin. Und Zeit um mich positiv einzustimmen.


Eigentlich war das Thema USA immer ein Traum von uns, ein erneuter Traum. Erst im letzten September Urlaub auf Kreta haben wir beim Abendessen sinniert wie toll es doch wieder wäre in Amerika zu leben. Ella hatte gerade bei unserem ersten á la carté Essen im all-in-Urlaub friedlich 1,5h im Kinderwagen geschlafen. Während wir uns gedanklich ausgemalt haben wie toll es wieder wäre die besten Wings der Welt bei Buffalo Wild Wings zu verdrücken. Oder ein Steak bei einem Line Dance der Mitarbeiter im Texas Road House zu verspachteln. Haaach, wir hatten uns vorgestellt wie wir an den Wochenenden zu den Michigan Seen fahren und eine Bootstour mit Ella machen. Wie wir in der Mall bummeln und tolle Markenkleidung zu Schnäppchenpreisen ergattern. Wie wir unsere Freunde zu einem leckeren Barbecue Abend in unseren großen Garten einladen, der direkt an einem See liegt. Wie unsere spontanen Wochenendentrips nach Chicago oder New York aussehen könnten. Oder unser Sommerurlaub, der dann unter anderem auf Hawaii möglich wäre – von Nordamerika aus ist es ja nur noch ein Katzensprung bis dahin.


Nun ja, drei Monate später und mir raucht es im Kopf. Ist es wirklich richtig mit einem kleinen Kind auszuwandern? Schaffen wir das als Paar, als Familie? Anstatt meiner geplanten Gefühle wie Freude, ein Kribbeln im Bauch und es kaum erwarten zu können muss ich ernüchternd feststellen: ich spüre nicht – einfach nichts. Nur Leere. Es hängt ein Schleier von Angst, Einsamkeit, Verzweiflung, Traurigkeit und Ungewissheit im Raum. Der Nebel von draußen kommt meinem Gefühlchaos sehr nahe. Aber leider nichts von den geplanten Freudesprüngen und Quietsch-Anfällen, wie es sonst bei mir üblich ist. Ich bin überrumpelt.


Aktuell sehe ich uns gedanklich in den USA in einer düsteren Hundehütte, wie wir es gerne so liebevoll nennen. Ihr wisst schon, diese kleinen flachen Häuschen, einer lieblosen Hofeinfahrt und einem verwilderten Vorgarten ohne Zaun. Die Haustüre keine 10m von der Straße entfernt, geschützt durch das absolute Sicherheits-Must-Have: eine Moskitotüre, die die eigentliche Haustüre verdeckt. Alles wirkt in meinem Kopf trüb und dunkel. Wo ist nur der Sonnenschein, den ich mir so sehnlichst gewünscht habe?


Während unseres Dinners auf Kreta habe ich Nico berichtet, dass das halbe Jahr, als ich mit ihm in den USA war, als die schönste Zeit in meinem Leben empfand. Das war sie auch, definitiv! Deshalb war die jetzige Entscheidung auch leicht zu treffen. Jeder aus unserem Familien- und Freundeskreis wusste, dass wir früher oder später wieder in den USA landen werden, nur dass es auf einmal so schnell geht. Damit hat keiner gerechnet. Aber es war unser Traum. Ich habe insgeheim Wünsche ans Universum gesendet, wieder in die USA zu gehen. Und wie es mit dem Universum so ist: „Ask. Believe. Receive.“ Mein WhatsApp Status seit gefühlt 1000 Jahren. Und es hat wieder funktioniert. Das Universum sprach also zu mir: Hier ist sie, deine Chance, dein Traum. Take it or leave it.


Und wir taten es. Ohne weiter nachzudenken. Das Bauchgefühl stimmt. Unser Traum wird früher wahr als gedacht. Ob es der richtige Zeitpunkt ist? Ich weiß es nicht. Gibt es den richtigen Zeitpunkt?


Ihr wollt wissen, wie es damals dazu kam, dass Nico in die USA ging? Wie wir uns überhaupt kennenlernten? Was das alles mit LOVOO zu tun hat? Wie haben wir es geschafft haben eine Fernbeziehung über zwei Jahre zu führen? Und warum ich schon mal ein halbes Jahr in den USA gelebt habe? Dann bleibt dran und seid auf meinen nächsten Beitrag gespannt.


XoXo. Isa.





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