15. Endlich bergauf.

Die ersten Wochen waren tränenreich. Ich habe alles an Deutschland vermisst. Das Essen, die schönen Kleinstädte, meine bekannte Läden, unser Loft. Einfach unser Leben dort. Vor allem aber meine Familie und Freunde. Nach zwei harten Wochen, in denen ich am liebsten alles hingeschmissen hätte, kam eine Einladung zu einer Mommy's Night Out (MNO) - einem Abendessen mit deutschen Frauen.


Eigentlich war ich an dem Dienstagabend nicht in der Stimmung noch etwas zu unternehmen. Aber ich konnte meinen inneren Schweinehund überwinden. Wir waren sieben Mamis, alle ungefähr in meinem Alter. Und ich stellte am Ende eines fest: alle plagten am Anfang die gleichen Sorgen. Es braucht einfach Zeit bis man sich eingroovt. Aber Perfektions-Isi will nach gerade mal einer Woche am liebsten schon das Haus fertig eingerichtet haben, jeden Spielplatz kennen und 50 neue Leute in der Kontaktliste haben. Aber so läuft es eben nicht. Und das musste ich erst lernen, auch wenn wir hier schon mal gelebt haben. Vor allem habe ich inzwischen Spaß daran gefunden neue Dinge und Orte zu erkunden. Selbst herauszufinden wo es tolle Restaurants, Parks, Spielplätze, Einkaufsläden etc. gibt. Einfach das Leben so zu nehmen wie es ist und wie es kommt. Ohne mal alles im Vorfeld zu planen.


Und dann traf ich Caro bei dem Abend der MNO. Sie saß direkt neben mir. Sie schlug am Ende unseres Dinners vor, dass wir uns in den nächsten Tage treffen und etwas mit den Kids unternehmen könnten. Ihr älterer Sohn ist 3,5 Jahre, ihre kleine Tochter nur drei Monate älter als Ella - perfekt. Ich bekam auch eine super liebe Nachricht von Johanna, die nun seit einem Jahr mit ihren beiden Jungs hier ist. Wir bekamen direkt eine Einladung zum Playdate zu Johanna nach Hause, verabredeten uns in der Pepper Pig World und tauschten einfach ein paar nette Nachrichten über das Leben hier aus.


Es war genau das, was ich gebraucht habe. Oft fühlt man sich in Situationen so allein gelassen. Man vermutet, dass man die einzige Person auf der Welt ist, der es gerade so geht. Aber es gibt auch andere Menschen, denen es genauso geht. Und wie heißt es so schön, geteiltes Leid ist halbes Leid. Ein paar mitfühlende Worte taten so gut. Und endlich war Power-Isi zurück.


Wir verabredet uns täglich mit Caro, klapperten gemeinsam sämtliche Büchereien ab, nachdem hier überall so tolle Spielbereiche für Kinder integriert sind. Ich ging mit Ella spazieren. Ich machte lange Runden durch die Einkaufsläden und ich fand durch die tollen Tipps von Caro und Johanna viele Produkte, bei denen ich dachte, dass ich sie hier nie finden würde. Wir skypten mit der Family. Ich machte ausgibige Mittagsschläfchen mit Ella und entschloss mich das alles positiv zu sehen. Und siehe da. Zwar Minus acht Grad, aber strahlender Sonnenschein. Die Tage waren plötzlich so kurzweilig und es fing an mir endlich an Spaß zu machen.


Denn was mir auch bewusst wurde war, dass mir einfach aktuell ein „Zuhause“ fehlt. In unserem Loft in Bamberg sah es seit dem Jahresbeginn 2022 nicht mehr aus wie unser Loft. Ständig wurden Möbel abgeholt, die Wohnung wurde immer leerer. Ich packte unsere schöne Deko in den Keller und stellte nur noch die Sachen aus, die beim Hausflohmarkt verkauft werden sollte. Ich packte Kisten und neue Bestellungen trudelten ein, womit unser Loft kurzzeitig einem Amazon Warenlager glich. Gemütlich ist was anderes. Dann wohnten wir knapp 1,5 Wochen bei meinen Eltern. Hier in den USA nun für die nächsten acht Wochen in einem Apartment Hotel. Ich vermisse meine Dinge, meine Struktur, meine Ordnung. Vor allem meinen Thermomix. Meinen Dyson Föhn. All meine Sachen die an Ort und Stelle sind. Ella’s Spielsachen und und und. Irgendwie fühle ich mich seit bald fünf Monaten leicht „heimatlos“.


Inzwischen kann ich aber sagen, ich habe mich daran gewöhnt. Wenn die Nachricht kommt, dass unser Container nochmal zwei Wochen länger braucht, dann ist es eben so. Es macht mir inzwischen nichts mehr aus. Ich wurde durch das ganze durcheinander endlich gezwungen ein wenig die Perfektionistin, die in mir schlummert, abzulegen. Inzwischen finde ich es sogar schön, ein bisschen wie ein kleiner Nomade zu leben. Die Vorteile im Hotel sind auch toll: das tägliche Frühstück, das Fitnessstudio und der Pool, den wir hoffentlich in den nächsten Tagen das erste mal Outdoor nutzen können. Wenn wir Besuch bekommen, können die Kindern dort alles zerlegen und rum kleckern, ohne das ich einen Herzinfarkt bekomme. Es gibt eine Reingiungskraft. Und Ella findet es auch ganz toll, dass wir drei so eng aufeinander leben. Sie schläft inzwischen am liebsten in ihrem eigenen großen Hotelzimmer in ihrem Queen-Size Bett. Ob ich sie für ihr neues Hausbett, dass ich extra noch in Deutschland bestellt habe begeistern kann? Das ist nur leider keine 1,40m breit, sondern nur 90cm :D


Es bleibt schlussendlich einfach mehr Zeit, dass Leben zu genießen. Es schweißt uns als Familie noch mehr zusammen, weil wir nur uns haben. Und es gibt niemanden, dem wir es recht machen müssen, außer uns. Die Wochenenden gehören nur uns dreien. Wir planen auch zeitnah einen kleinen Kurztrip "up north" nach Mackinac Island, unser erster kleiner Urlaub hier. Und bald geht es in unser eigenes, großes Haus. Inzwischen genieße und liebe ich das Leben hier!


Du willst wissen, wie es weiter geht? Im nächsten Beitrag erzähle ich dir von den Vor- und Nachteilen, die das Leben hier mit sich bringt. Bleib dabei.

XoXo. Isa.





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